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"Mit der Hand oder mit der Maschine Äpfel auflesen, das sind 2 Paar Stiefel."

Familie Erhard Gneiting

Linsenhofen, Baden-Württemberg

Steckbrief

– Lage im „Streuobstparadies“ im „Neuffener Täle“

– rund 300 Streuobstbäume

– Viel Erfahrung mit Erntetechnik im Streuobstbereich

– Verarbeitung großer Mengen zu Saft, Most und Edelbränden

– Mitglied bei verschiedenen Vereinen (zB. Wiesenobst)

– Nutzung der Obstraupe für sortenreine Produkte und

    bei Flexibilitätserfordernissen.

Erhard Gneiting weiß, wovon er spricht, wenn er über Vor- und Nachteile von Erntetechnik erzählt, hat er doch als waschechter Pionier und sogenannter „early adopter“ auf diesem Gebiet so ziemlich jede Maschine getestet, die der Markt für Erntetechnik bei Streuobst bis dato hergab. Gemeinsam mit seinem Sohn kam der technikbegeisterte Landwirt für die Abholung der Obstraupe im Sommer 2018 persönlich nach Oberösterreich. Durch den mitgebrachten vorzüglichen Schnaps bekamen wir auch gleich einen positiven Eindruck von der Veredelung seines Obstes. Auf dem Rückweg nach Deutschland übernahm Herr Gneiting selbstorganisiert noch  4 weitere Obstraupen nach Deutschland mit und begeisterte uns mit seinem Engagement.

 

Der Familienbetrieb der Familie Gneiting liegt in einem Gebiet, das wohl zurecht als „Streuobstparadies“ über die Grenzen Baden-Württembergs hinaus bekannt ist. Streuobstwälder aus großkronigen Apfel- und Birnbäumen prägen diese Kulturlandschaft in einer Weise, die ihresgleichen sucht.

Wir treffen Frau Gneiting bei ihrem Haus an und folgen ihr,  baumbewachsene Hügel entlang, bis zu einer ihrer Obstanlagen. Wir bekommen sogleich einen guten Eindruck von der Arbeitsweise und Logistik, mit welcher Familie Gneiting bei der Ernte mit der Obstraupe zu Werke geht. Auf einem Anhänger, den Herr Gneiting auf die Fläche schiebt, ist alles Nötige für die Ernte platzsparend verstaut: Die Obstraupe selbst samt Ersatzakkus, ein selbst gebauter Sortierrost passend zu dem eigenen Hänger, 5 Kunststoffobstkisten sowie eine gute Anzahl beinahe nostalgisch anmutender Holzkisten, ca. 40 an der Zahl, die noch vom Großvater stammen und nach wie vor beste Verwendung finden.

"Die Maschine kann einfach zu zweit

vom Hänger runtergelupft werden.“

Frau Gneiting gab uns bereitwillig Auskunft über ihre Erfahrungen bei der Ernte. Sie war es, die mehrheitlich mit der Obstraupe in diesem reichen Obstjahr geerntet hat, in dem das Gerät für Einzelsorten fast pausenlos im Einsatz war. Da Frau Gneiting lieber im Stehen oder Laufen erntet und das Bücken am Boden ganz und gar nicht zu ihren Lieblingsbeschäftigungen gehört, war sie über die Unterstützung durch die Obstraupe hellauf begeistert. Sie lobt die leichte Bauweise des Gerätes, das zu zweit einfach vom Anhänger „runtergelupft“ werden kann. In der Vergangenheit hatten sie bereits Maschinen im Einsatz gehabt, die durch das hohe Gewicht nur sehr umständlich auf die Fläche gebracht werden konnten. Eine positive Folgeerscheinung des niedrigen Gewichtes ist für sie auch, dass sich das Gerät leicht schieben lässt, auch wenn das Gelände nicht völlig eben und gleichmäßig ist. Die Gummilamellen helfen hier mit dem Vortrieb durch die Rotation in Fahrtrichtung und erleichtern so die Ernte. Die Größe des Sammelbehälters hält sie für genau richtig, da es für sie so kraftmäßig möglich ist, längere Zeit mit dem Gerät zu ernten.

"Wenn du mit der Maschine auflesen willst

darfst du nicht zu faul sein zum Mähen.

Du musst das Gras im Griff haben.“

Die Rolle der Obstraupe für ihren Betrieb war für den Erntetechnik-Erfahrenen Erhard Gneiting von Beginn an klar. Auf ihren Anlagen stehen insgesamt rund 300 Bäume im besten Alter, bei denen riesige Mengen anfallen können. Für die Masse an Früchten, die in diesem Jahr besonders groß war, wird daher ein selbstfahrendes Erntegerät samt Fahrer aus einem benachbarten Ort für 35 € / h „angemietet“, das auf enorme Flächenleistung ausgelegt ist. „Der Selbstfahrer ist 1 Stunde da und dann sind gute 2 Tonnen am Anhänger drauf“, erklärt einer der beiden Söhne, der gerade vom Selbstfahrer kommt. Senior Gneiting amüsiert uns weiter mit der Erklärung: „Ich bin doch Schwabe. Bei  35 € pro Stunde - da muss was laufen!“. Die Obstraupe hat er ganz klar für die Ernte von Einzelsorten und bei besonderen Bedürfnissen nach Flexibilität vorgesehen. Diese Bäume sollen, auch aus Qualitätsgründen, laufend beerntet werden. Zudem gibt es Flächen, wo der Selbstfahrer nur schwer oder gar nicht dazu kommt. Im heurigen Jahr müssen besonders viele Äste der Bäume abgestützt werden um ein Brechen zu verhindern. Diese Stützen machen eine Ernte mit dem Selbstfahrer jedoch vielerorts schwieriger. Genau auf einer dieser Fläche zeigt er uns jetzt wie er mit der Obstraupe hier, auch bei wenig Platz „Meter machen“ kann und seine mitgebrachten Holzkisten im Handumdrehen befüllt hat.

„Gras und Wiesenmanagement sind das A und O.

Da braucht es ein Umdenken vom händischen Sammeln!“

Gneiting findet klare Worte für den Umgang von längerem Gras bei der Streuobsternte: „Wenn du mit der Maschine auflesen willst, darfst du nicht zu faul sein zum Mähen. Du musst das Gras im Griff haben“. Beim Testen mit verschiedenen Geräten sei dies ein Credo das sich durchziehe. Aufbauend auf seine langjährige Erfahrung beschreibt er uns seine Vorgangsweise beim Wiesenmanagement: 

 

Jede Maschine benötigt eine gewisse Graslänge, um optimal zu arbeiten. 15 cm sind seiner Ansicht nach ideal – das sei auch mit der Obstraupe nicht anders, wie er betont, wobei der Selbstfahrer sogar noch wesentlich längeres Gras verträgt.

Gras und Wiesenmanagement sind das A und O. Da brauche es ein Umdenken vom händischen Sammeln! Wenn kurz vorher gemäht wird, bleibt das Gras natürlich liegen, und wird dann von der Maschine mit aufgelesen. Gneiting mäht vorzugsweise mit Mulchern. Zuerst wird mit einem Schlägelmulcher und dann 2x mit einem Sichelmulcher mit Ausleger gemäht. Mit einem Rasenmäher mäht er nur dort, wo er mit den Mulchern z.B. wegen Stützen nicht hinkommt.

 

„Zum Schluss darfst kein zu hohes Gras mulchen, das ist wichtig“, betont er.  Das Gras muss eingewachsen sein! 6 Wochen vor der Ernte soll seiner Erfahrung nach gemäht werden. Am Ende sollte Gras von ca. 10 cm Länge da sein. Im Zweifelsfall ist es besser, gegen Ende nicht mehr zu mähen, wenn man sich unsicher ist, weil die Maschine eine gewisse Graslänge bevorzugt.

„Ich habe nicht gewusst, dass die Nachfrage nach der Obstraupe so groß ist, sonst hätte ich ehrlich noch ein paar aufgeladen.“

Die Ernte selbst empfiehlt Gneiting mit der Obstraupe immer besser abends zu machen. „Frühmorgens, wenn das Gras feucht ist, ist das ein Problem. Das Gras klebt überall. Am Abend wenn das Gras trocken ist, kein Problem!“. Wenn alleine gesammelt wird hat sich bei Ihnen die Praxis bewährt immer 4 Sammelkisten zu befüllen und danach zu sortieren. Besser und schneller geht es natürlich wenn 1-2 Personen gleichzeitig nachsortieren. 

 

Beim Laub sieht der Landwirt mit der Obstraupe kein Problem. Der Großteil des Laubfalls sei in der Regel erst nach der Erntesaison. Zudem muss ohnehin nachsortiert werden. Zu diesem Zweck hat sich der Landwirt einen eigenen Sortierrost angefertigt. Er sei noch nicht ganz optimal, weil er noch sehr schwer sei, was er als besonders wichtig in der Praxis hervorstreicht.

 

Nach der Erntevorführung auf den Flächen sitzen wir noch lange gemütlich bei einer privaten Schnapsverkostung im Hause Gneiting und lernen die hiesige Gastfreundschaft und den tollen Schnaps kennen. 

 

Das Streuobstparadies scheint uns wirklich ein Mekka für Streuobstliebhaber zu sein. Für dort ansässige Landwirte sind die Hochstamm-Bäume noch integraler Bestandteil ihrer Kultur und dieses Potential wird auch immer stärker vom Tourismus genutzt. Es erstaunt daher vielleicht weniger, dass sich die Landwirte hier intensiv mit verschiedenen Ernte- und Logistikkonzepten beschäftigen, um die Wertschöpfung ihrer Flächen optimal zu gestalten. Der Ausflug nach Linsenhofen war in jedem Fall ein Augenöffner mit vielen neuen Erkenntnissen, die wir mit nach Österreich genommen haben!

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